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Unternehmensbewertung - der Praxisleitfaden für KMU-Inhaber

Der Praxisleitfaden zur Unternehmensbewertung dient Inhaberinnen und Inhaber von KMU dazu, sich einen umfassenden Überblick zur komplexen Thematik zu verschaffen.

Inhaltsangabe:

  • Kurze Beschreibung der 4 zentralen Bewertungsansätze für KMU
  • Wichtige Punkte aus der Praxis, die oft vergessen gehen (z. B qualitative Bewertungskriterien)
  • Checklisten und Merkblätter für die Unternehmensbewertung

Für Interessierte sind jeweils Links zu Fachartikeln mit vertieften Informationen aufgeführt!

Unternehmensbewertung KMU: Diese Methoden sollten Sie kennen

Im akademischen Bereich gibt es eine grosse Anzahl mitunter sehr komplexe Methoden zur Unternehmensbewertung. Ein Grossteil davon eignet sich jedoch nicht für die Bewertung von KMU, weshalb in der Praxis lediglich eine Handvoll bewährter Methoden Anwendung findet.

Grundsätzlich ist zwischen dem theoretischen Unternehmenswert und dem realisierbaren Unternehmenswert zu unterscheiden. Der theoretische Unternehmenswert kann mittels verschiedener Methoden ermittelt werden, wobei jede Methode unterschiedliche Werte generiert. Es gibt daher keinen richtigen oder falschen theoretischen Unternehmenswert, sondern verschiedene Werte, welche für unterschiedliche Betrachter unterschiedlich plausibel sind.

Ein realisierbarer Unternehmenswert, auch Marktwert oder Transaktionswert genannt, kann für nicht börsenkotierte Unternehmen nur dann festgestellt werden, wenn das Unternehmen verkauft wird.

Die Bewertungsmethoden können in vier Ansätze unterteilt werden:

Unternehmensbewertung - Methoden für KMU: Übersichtstabelle Kategorien

Die jeweilige Kernidee der unterschiedlichen Ansätze inklusive Kurzbeschrieb einzelner Methoden dazu werden im Folgenden erläutert.

1. Substanzwert-Methoden

Wie der Name bereits andeutet, basiert die Berechnung des Unternehmenswerts mittels Substanzwertverfahren auf den Vermögenswerten der betreffenden Firma. Immaterielle / qualitative Faktoren (wie Know-how, Kundenstamm) oder zukünftige Gewinne fliessen somit nicht mit ein.

Unter «Vermögenswerte» werden sämtliche in der Bilanz vorhandenen Aktivpositionen verstanden, welche zusammen das Gesamtvermögen eines Unternehmens bilden (Brutto-Substanzwert). Diese werden bei der Bewertung auf einen definierten Stichtag hin aufsummiert. Um den Netto-Substanzwert zu erhalten, werden alle bestehenden Verbindlichkeiten bzw. Schulden des Unternehmens vom Bruttosubstanzwert abgezogen.

Gewisse Aktiven in der Finanzbuchhaltung stellen steuerlich optimierte Buchwerte dar und müssen daher bereinigt werden. Die Differenz zwischen dem Buchwert und dem effektiven Wert wird als stille Reserve bezeichnet, um welche der Buchwert korrigiert werden muss. Werden stille Reserven aufgelöst, entsteht Steuersubstrat. Dieser sogenannten latenten Steuer wird bei der Bewertung der Substanz entsprechend Rechnung getragen.

Unternehmen bewerten mit der Substanzwertmethode: Formel


Der so ermittelte Unternehmenswert ist in Hinblick auf einen Firmenverkauf wenig aussagekräftig, denn die Rentabilität wird völlig ausser Acht gelassen. Folgendes Beispiel macht dies deutlich:

  • Die Baumuster AG weist einen Substanzwert von CHF 5 Mio. auf
  • generiert einen Umsatz in der Höhe von 7 Mio.
  • erwirtschaftet jedoch nur einen Reingewinn von CHF 140'000
  • Sind dann die CHF 5 Mio. Substanzwert ein angemessener Kaufpreis für die Baumuster AG?

Wie Sie sehen, greift die Substanzwertbetrachtung zu kurz. In der Praxis von KMU-Nachfolgeregelungen weist die Substanzbetrachtung eine untergeordnete Stellung auf und wird meist nur als eine Referenzgrösse für die Gesamtbetrachtung eines Unternehmens verwendet. Deshalb beschränken wir uns an dieser Stelle auf die Kurzbeschreibung des Substanzwertverfahrens.

2. Ertragswert-Methoden

Ertragswert-Methoden gehen vom Prinzip aus, dass ein Unternehmen eine Investition darstellt und sich sein Wert somit aus Renditeprognosen ableiten lässt. Bei der Bemessung der Rendite wird von zukünftigen Gewinnen einerseits und von zukünftigen bereinigten Geldflüssen (Free Cash-Flows) andererseits ausgegangen. Die Substanz spielt dabei eine untergeordnete Rolle und wird lediglich als Grundlage für den Betriebserfolg betrachtet. Die nicht betriebsnotwendige Substanz (Überschuss an Liquidität) wird allerdings separat bewertet und zum Ertragswert addiert.

2.1. Erfolgsbasierter Ertragswert

Die einfachste Variante der Ertragswertberechnung beinhaltet die Kapitalisierung eines zukünftigen Gewinns mit einem Kapitalisierungssatz. Einfach deswegen, weil von einem nachhaltigen und konstanten Gewinn (ewige Rente) ausgegangen und dem Unternehmen eine unbegrenzte Lebensdauer eingeräumt wird.

KMU Firmenwert berechnen: einfache Ertragswertmethode (Formel)


Grundlage für die gesamte Gruppe der Ertragswertverfahren bildet die einfache Ertragswert-Methode. Diese beschreiben wir in unserem Fachartikel zur reinen oder einfachen Ertragswert-Methode im Detail mit folgenden Punkten:

  • Berechnungsformel
  • Ermittlung des nachhaltigen Betriebsgewinns
  • Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes für KMU
  • Faktor Geschäftsmodell
  • Umgang mit nicht-betriebsnotwendiger Substanz

2.2. Zahlungsstrombasierter Ertragswert

Obwohl diese Untergruppe mehrere Verfahren umschliesst, ist in der Praxis vor allem die DCF-Methode (Discounted Cash-Flow-Methode) relevant. Basis für die Wertermittlung bilden dabei die zukünftigen Free Cash-Flows oder frei verfügbaren Zahlungsflüsse, welche mittels Budgetplanung geschätzt werden.

Parallel zum geschätzten Gewinn bei den erfolgsbasierten Ertragswertverfahren werden beim DCF-Verfahren die ermittelten zukünftigen Zahlungsflüsse diskontiert, und zwar mit dem gewichteten Kapitalkostensatz (WACC). Für die Periode nach der Budgetplanung wird schliesslich noch ein Residualwert dazugerechnet.

Das DCF-Verfahren eignet sich insbesondere für gestandene Unternehmen mit kontinuierlich wachsendem Gewinn sehr gut. Allerdings birgt es bei (übertrieben) hohen zukünftigen Gewinnerwartungen das Risiko einer Wertüberschätzung und somit einer unrealistischen Verkaufspreisvorstellung.

3. Multiplikator-Methoden

Die Multiplikator-Methode, auch Multiple-Verfahren genannt, ist eine sehr praxisnahe Methode der Unternehmensbewertung. Der Unternehmenswert wird dabei anhand von Faktoren (Multiples, Multiplikatoren) ermittelt, welche mit Umsatz- oder Gewinngrössen des zu bewertenden Unternehmens multipliziert werden. Diese Faktoren stellen Erfahrungswerte aus bisher abgewickelten Transaktionen (Transaction Multiples) oder aus Marktwerten (Market Multiples) bei börsenkotierten Unternehmen dar.

Um Market Multiples auf nicht kotierte KMU anwenden zu können, müssen diese nach unten korrigiert werden. Dies aus dem Grund, dass börsenkotierte Unternehmen an der Börse handelbar sind, also liquide sind, was somit das Kaufrisiko im Vergleich zu einer KMU minimiert, welche bei Bedarf nicht so rasch verkauft werden kann. Insgesamt werden normalerweise Faktoren wie Grösse des Unternehmens (size), eingeschränkte Handelbarkeit (illiquidity), Abhängigkeit vom Eigentümer (dependency) oder von einzelnen Kunden im Sinne eines Klumpenrisikos (bulk risk) berücksichtigt.

Im Fachartikel zur Multiplikator-Methode beantworten wir unter anderem folgende Fragen:

  • Was ist ein Multiplikator?
  • Welches sind die geläufigsten Multiplikatoren für KMU?
  • Wie wende ich die Multiple-Methode richtig an?
  • Wie komme ich an Transaction Multiples für KMU?

4. Praktiker-Methoden oder Mittelwert-Methoden

Wie bereits erwähnt, stellen die flussorientierten (Gewinn oder Geldfluss) und die betandsorientierten (Substanzwert) Methoden zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Unternehmensbewertung dar. Die Praktiker-Methode versucht, diese Perspektiven in einem Verfahren zu vereinen und so einen Mittelweg zu bieten.

Dazu werden in einem ersten Schritt Substanz- und Ertragswert ermittelt. Der Unternehmenswert ergibt sich dann in einem zweiten Schritt aus dem gewichteten arithmetischen Mittel.

Der Fachartikel zur Praktiker-Methode befasst sich unter anderem mit folgenden Fragen:

  • Wie werden Ertrags- und Substanzwert ermittelt?
  • Wie werden Ertrags- und Substanzwert gewichtet?
  • Wie «praktisch» ist die Praktikermethode in Hinblick auf den Verkauf eines KMUs?

3 Fakten aus der Praxis zur Unternehmensbewertung

  Unternehmensbewertung: drei zentrale Fakten (Grafik)  

 

Verkaufspreis: Vorstellungen Käufer und Verkäufer

Wie viel ist meine Firma wert? Welchen Preis bezahlt mir ein Käufer für mein Unternehmen?

Viele KMU-Inhaber setzen diese beiden Fragen gleich – zu Unrecht. Denn selbst wenn sich Verkaufs- und Kaufpartei bei der Ermittlung des Firmenwerts auf die gleichen Parameter verlassen, fällt die Gewichtung oft sehr unterschiedlich aus.

Dies gründet nicht zuletzt in der weit verbreiteten Risikoaversion bei Käufern. Aus den Gewichtungsunterschieden können sich wiederum grosse Differenzen in den Preisvorstellungen ergeben. Insbesondere wenn Resultate aus einer Unternehmensbewertung nicht mit Marktwerten plausibiliert wurden, ist eine Annäherung in den Verkaufsverhandlungen oft schwierig.

Der Fachbeitrag «Verkaufspreis: Vorstellungen von Verkäufer versus Käufer» greift folgende Punkte auf:

  • Faktoren der Gewichtung auf Käuferseite
  • Faktoren der Gewichtung auf Verkäuferseite
  • Unterschiedliche Preisvorstellungen: Praxisbeispiel mit möglichen Folgen
  • Lösungsansatz: So vermeiden Sie, dass unterschiedliche Vorstellungen zum Deal Breaker werden

Qualitative Bewertungskriterien

Bei der Ermittlung des Unternehmenswerts liegt der Fokus in der Regel auf quantitativen Kriterien beziehungsweise harten Zahlen, wohingegen den qualitativen Faktoren (Industrie-Lebenszyklus, Kundenkonzentration etc.) oft nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dabei stellen qualitative Bewertungskriterien einen wichtigen Teil der Unternehmensbewertung dar. Eine seriöse Bewertung beginnt deshalb immer mit einer detaillierten Analyse des Geschäftsmodells, um später die qualitativen Faktoren auch wirklich sinnvoll gewichten zu können. Was dies im Falle von KMU genau beinhaltet, beleuchten wir in unserem Fachbeitrag zum Thema qualitative Bewertungskriterien.

Investitionen vor dem Firmenverkauf: Sinnvoll oder nicht?

Viele Inhaberinnen und Inhaber von KMU fragen sich, ob sich Investitionen vor dem Verkauf überhaupt noch lohnen. Die Antwort auf diese Frage hängt einerseits stark vom Zeithorizont ab – soll die Nachfolge innerhalb von einem, drei oder fünf Jahren über die Bühne gehen? Auch die Faktoren Firmengrösse und Branche spielen für solche Investitionsentscheide eine Rolle. Nicht zuletzt gibt es bestimmte Bereiche, in die vor einem Firmenverkauf auf jeden Fall investiert werden sollte. Dazu gehört beispielsweise die Definition und Erfassung von Abläufen. Im Blogbeitrag «Investitionen vor dem Firmenverkauf - ja, nein?» beantwortet Ilan Kriesi von Business Transaction diese Frage im Detail und geht auf die verschiedenen Faktoren ein.

Höherer Verkaufspreis durch gezielte Massnahmen im Vorfeld

Im letzten Abschnitt ging es um Faktoren, die Investitionen vor dem Firmenverkauf lohnenswert machen (oder eben nicht). Aber mit welchen spezifischen Investitionen kann bei entsprechend langem Planungshorizont die Verkäuflichkeit eines KMUs gezielt gesteigert werden?

Um dies zu beantworten, müssen zuerst die positiven Werttreiber in Hinblick auf den Firmenverkauf identifiziert werden. Diese gilt es dann mit gezielten Massnahmen zu fördern. Dazu zählen unter anderem die Unabhängigkeit des Betriebs vom Inhaber, eine tiefe Mitarbeiterfluktuation, übertragbare Kunden- und Lieferantendatenbanken sowie Patente / Schutzrechte.

In unserem Fachartikel betrachten wir die positiven Werttreiber und die Massnahmen zu ihrer Förderung unterteilt nach den Bereichen:

  • Inhaber
  • Mitarbeitende
  • Kunden und Lieferanten
  • Organisation und Infrastruktur
  • Markt
  • Betriebskennzahlen

Checkliste Unternehmensbewertung: notwendige Unterlagen

Die Checkliste Unternehmensbewertung fasst kurz und knapp zusammen, welche Unterlagen Sie für eine Unternehmensbewertung sicher brauchen – ob Sie diese nun selber durchführen oder Experten beauftragen.

  Checkliste Unternehmensbewertung - Unterlagen  

 

Merkblatt: Das Business Transaction Valuation Tool

Aus unserer Erfahrung aus über 180 Unternehmensbewertungen haben wir einen eigenen Ansatz zur Bewertung von KMU entwickelt, das Business Transaction Valuation Tool. Das Tool basiert auf einem Methodenmix und bezieht nebst quantitativen auch qualitative Kriterien mit ein. Bei einer Unternehmensbewertung mit dem Valuation Tool ist jeder Ermittlungsschritt objektiv nachvollziehbar, was zu einem aussagekräftigen und gut begründbarem Wert führt.

Weitere Informationen zu unserem Ansatz finden Sie im Merkblatt «Unternehmensbewertung - unser Ansatz»:

 

  Merkblatt Unternehmensbewertung - Ansatz Business Transaction: Vorschaubild  

 

Unternehmensbewertung: Weiterführende Informationen in kompakter Form

Verschiedene Aspekte der Unternehmensbewertung werden in kompakten Videobeiträgen beleuchtet: