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KMU Nachfolge: MBI oder MBO?

von Christina Graf

KMU Nachfolge im Wandel

In der heutigen Zeit werden inhabergeführte Unternehmen immer seltener innerhalb der Familie (Family Buy-out - FBO) weitergegeben. Dies hat einerseits mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun und andererseits wird der Zugang zu familienexternen Nachfolgern immer besser in der Schweiz.

Aus diesen Gründen haben sich bei KMU andere Formen der Nachfolgeregelung etabliert: Heute werden Firmen mehr denn je an das bestehende Management oder an externe Dritte verkauft. Je nach Ausgangslage kommt für das Unternehmen nur der Verkauf an externe Dritte in Frage. Nachfolgend werden die Vorteile und Nachteile der unternehmensinternen (Management Buy-out - MBO) und der unternehmensexternen (Management Buy-in - MBI) Nachfolgeregelung aufgezeigt:

Unternehmensinterne Nachfolge (MBO): Vorteile und Nachteile

Beim Management Buy-out (MBO) verkauft der Inhaber das Unternehmen an das bisherige Management oder an leitende Angestellte.

Vorteile der unternehmensinternen Nachfolge

  • Information: Der Verkäufer kennt den Nachfolger bereits und verfügt somit über eine vertiefte Informationsbasis, welche die Beurteilung der Eignung des Nachfolgers (Know-how, Kompetenzen, Kompatibilität mit der Unternehmensphilosophie etc.) erleichtert.

  • Einarbeitung: Die Einarbeitungszeit fällt tendenziell kürzer aus, da der Nachfolger die Firma bereits kennt und in der Regel mit dem Geschäftsmodell, den internen Abläufen, den Stakeholder etc. vertraut ist.

  • Loyalität: Die Loyalität und das Vertrauen von Mitarbeitenden sowie von Kunden sind bereits vorhanden.

Nachteile der unternehmensinternen Nachfolge

  • Emotionalität: Aufgrund der meist starken persönlichen Beziehung zum Nachfolger, können Verhandlungen nicht mit der gleichen «Härte» geführt werden. Zwingend zu führende Diskussionen in Bezug auf die Übernahmekonditionen werden oftmals verschleppt oder nicht direkt angesprochen.

  • Fehlende Objektivität: Die persönliche Beziehung verunmöglicht allerdings auch eine objektive Eignungsabklärung.

  • Unternehmensblindheit: Einem Nachfolger, der bereits lange im Betrieb arbeitet, fehlt manchmal die notwendige Distanz. Er erkennt dadurch ungenutztes Potenzial weniger gut und hat mehr Mühe, „eingetretene Pfade“ zu verlassen.

  • Übernahmefinanzierung: Leitende Angestellte oder das Management haben in der Regel nicht das nötige Eigenkapital um den Firmenkauf zu stemmen. Dies hat einen Einfluss auf den Kaufpreis sowie Zahlungskonditionen und kann sich später negativ auf die Firma auswirken.

Unternehmensexterne Nachfolge (MBI): Pros und Contras

Der Inhaber verkauft die Firma an einen Nachfolger, der nicht im Unternehmen tätig ist. Dabei kann es sich um eine Privatperson, um eine Firma aus derselben oder verwandten Branche oder um einen reinen Investor handeln.

Vorteile der unternehmensexternen Nachfolge

  • Verhandlungsposition: Gegenüber externen Dritten ist die Verhandlungsposition stärker, da mit mehreren Kaufinteressen verhandelt werden kann. Dies ermöglicht in der Regel einen höheren Verkaufspreis als bei der unternehmensinternen Nachfolgeregelung.

  • Innovation und Optimierungspotenzial: Ein externer Nachfolger erkennt durch den „Blick von aussen“ eher, wo das Optimierungspotenzial liegt und welche neuen Wege eingeschlagen werden können/müssen.

  • Auswahl im Nachfolgerprofil: Bei einer marktweiten Käufersuche stehen die Chancen höher, jemanden zu finden, der sämtliche fachlichen Anforderungen mitbringt.

  • Nutzen von Synergieeffekten: Ein unternehmensexterner Nachfolger aus der gleichen Branche bringt unter Umständen wertvolle Expertise in das Unternehmen.

  • Geringe Emotionalität: Es besteht in den meisten Fällen keine persönliche Beziehung zum Nachfolger, weshalb Übernahmekonditionen direkt und frühzeitig kommuniziert werden können.

Nachteile der unternehmensexternen Nachfolge

  • Informationsasymmetrie: Das Vertrauen zwischen Inhaber und Nachfolger muss zuerst aufgebaut werden. Käufer sind anfänglich kritisch. Argumente seitens des Inhabers müssen mit Zahlen und Fakten untermauert werden.

  • Mögliche Verunsicherungen: Loyalität und Respekt der Mitarbeitenden sowie das Vertrauen der Kunden und Lieferanten gilt es neu aufzubauen.

  • Aufwand: Eine vertiefte Beurteilung und Eignungsabklärung von potenziellen Nachfolgern ist aufwendiger, da aufgrund der Dauer des Prozesses nur bedingt abgeschätzt werden kann, wie geeignet ein Käufer wirklich ist.

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