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Finanzierung mit einer Bürgschaftsgenossenschaft

von Philipp Gübeli

Die Wunschvorstellung eines jeden Firmeninhabers ist einen derart solventen Nachfolger zu finden, der den gesamten Kaufpreis aus Eigenmitteln finanzieren kann. Doch je nach Höhe des Verkaufspreises ist es für den Käufer nicht immer möglich, die gesamte Kaufpreissumme aus der eigenen Tasche zu stemmen. Konsequenz daraus: Er muss einen Fremdkapitalgeber finden, der ihn bei seinem Vorhaben unterstützt und ebenso überzeugt vom Geschäftsmodell der zu übernehmenden Firma ist, wie er selbst.

Potenzielle Fremdkapitalgeber gibt es diverse. Nebst dem nahen Umfeld, wie Familie, Verwandte und Bekannte kann der Verkäufer selbst, und zwar in Form eines Eigentümerdarlehens, eine Art Geldgeber sein. Dabei stellt der Verkäufer dem Käufer einen gewissen Betrag zu Finanzierung des Kaufpreises zu bestimmten Konditionen zur Verfügung. Die aber wohl bekanntesten Institutionen als Fremdkapitalgeber sind die Banken. Diese geben meistens diverse Rahmenbedingen vor, wie zum Beispiel eine Eigenkapitalquote von 40% - 70% oder der Abschluss einer Todesfallrisikopolice, welche den Kreditentscheid beeinflussen können.

Da die Banken ein allfälliges Verkäuferdarlehen zu 100% der Eigenkapitalquote des Käufers anrechnen, ist dies sicherlich der stärkste Weg um die Gesamtfinanzierung zu erhöhen. Nun gibt es aber eine weitere Möglichkeit, die Banken für eine Kreditsprechung positiv zu stimmen. Dann nämlich, wenn die Bürgschaftsgenossenschaft über einen gewissen Teil der Bankfinanzierung bürgt. Im vorliegenden Blogbeitrag möchten wir Ihnen die in jedem Fall positiv wirkende Unterstützung durch die Bürgschaftsgenossenschaften vorstellen.

Bürgschaftsgenossenschaften

Die Schweiz ist in vier regional tätige Bürgschaftsgenossenschaften aufgeteilt: BG Mitte, BG OST-SÜD, BG SAFFA (nur für Frauen), BG Westschweiz. Diese bilden eine Brücke zwischen der Bank und dem Kreditnehmer und unterstützen bei Neugründungen, Investitionen oder Nachfolgeregelungen. Das heisst, sie verpflichten sich für einen gewissen Betrag (Verbindlichkeit) eines Dritten (Käufer, Inhaber) gegenüber dessen Gläubiger (Bank) einzustehen. Mit den Bürgschaften ermöglicht der Bund den KMUs in der Schweiz leichter Bankkredite aufzunehmen. Dank einer Bürgschaft verringert sich das ungedeckte Kreditrisiko der Bank, was den Kreditentscheid positiv beeinflusst.

Die Bürgschaftsgenossenschaften sind unabhängig von Finanzinstituten organisiert. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich mit allen Schweizer Banken zusammenarbeiten, egal ob Gross-, Klein- oder Regionalbanken. Mit diesen besteht seit jeher ein reger Austausch und sehr gute Beziehungen, was dem Kunden bei der Kreditvergabe zu Gute kommt.

Die Höhe der Bürgschaft ist aktuell auf CHF 1.0 Mio. limitiert und muss spätestens in zehn Jahren amortisiert sein. Diese Änderung ist per 1. Juli 2019 in Kraft getreten und hat durch die Verdoppelung der Limite einer Bürgschaft den Horizont für Kreditnehmer enorm erweitert.

Ablauf

Wählt ein Käufer die Option der Bürgschaftsgenossenschaft, so muss er zunächst ein Antragsformular ausfüllen und diverse Angaben zu seiner Person und der zu übernehmenden Firma machen. Grundsätzlich ist es so, dass der Kreditnehmer bei der Bürgschaftsgenossenschaft dieselben Unterlagen einreichen muss wie bei der Bank. Der Antrag wird anschliessend durch die Bürgschaftsgenossenschaft und die kreditsprechende Bank geprüft. Weiter werden Gespräche mit der Bank und dem Gesuchsteller geführt sowie eine Betriebsbesichtigung durchgeführt. Im Anschluss wird der Antrag an das Bewilligungsgremium gestellt, worauf der Entscheid folgt. Vom Zeitpunkt des Einreichens bis zum definitiven Entscheid müssen durchschnittlich rund zwei Wochen eingerechnet werden.

Verlustdeckung

Der Bund übernimmt neben einem Teil der Verwaltungskosten, 65% allfälliger Verluste der Bürgschaftsgenossenschaft. Die restlichen 35% werden durch die Bürgschaftsgenossenschaft selber getragen. Finanziert wird sie mit Kantons- und Bundesbeiträgen und mit Einnahmen aus der Vergabe von Bürgschaften.

Fazit

Die Unterstützung von Bürgschaftsgenossenschaften bei der Finanzierung von Unternehmenskäufen ist definitiv eine interessante Möglichkeit einen positiven Kreditentscheid zu bewirken. Da die Unterlagen für die Bank sowieso zusammengetragen werden müssen, ergibt sich beinahe kein Mehraufwand. Die Chancen, dass ein Kredit dank der Mithilfe der Bürgschaftsgenossenschaft bewilligt wird, stehen hoch. Die Bewilligungsquote stand in den letzten drei Jahre bei über 57%.

Da wir gute Kontakte zu den Bürgschaftsgenossenschaften pflegen, helfen wir Ihnen gerne weiter.

Weitere Informationen sind auch unter folgendem Link zu finden: KMU Bürgschaften

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